Awareness-Konzept

Für den Kongress haben wir extra ein Awareness-Konzept geschrieben.

Awareness-Team

Auf dem Kongress findet ihr das Awareness-Team, dass euch zur Seite steht, wenn es zu einem Fall von Diskriminierung / Grenzüberschreitung kommt. Wir sind auch da, wenn ihr einen Rückzugsort wegen Überforderung oder einfach mal einen anderen Menschen zum Reden braucht.

An dieser Stelle wollen wir auch auf unsere überwiegend weiße Positionierung hinweisen. Und darauf, dass wir als Awareness-Team nicht in Bezug auf alle Diskriminierungsverhältnisse Erfahrungen und Wissen mitbringen. Bei Bedarf können wir euch die Kontaktdaten von einigen Kooperationspartner*innen vermitteln, die ein anderes Erfahrungswissen in Bezug auf gesellschaftliche Verhältnisse besitzen. Wir haben den Anspruch, in unseren eigenen Zusammenhängen bestehende Hierarchien abzubauen und diskriminierende Strukturen aufzulösen. Wir wissen, wir sind nicht perfekt – wenn ihr also Anmerkungen und Kritik habt, schreibt uns gerne!

Erreichbarkeit des Awareness-Teams

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, uns zu erreichen. Egal wie: Wenn du dich meldest, wird eine Person für dich gefunden werden, was kurz dauern könnte. Bitte wähle die Methode aus, die sich für dich gut anfühlt.

  • Telefon: +4915735594971 (9h-21h)
  • Videokonferenz (9h-19h)
  • E-Mail: zfa-awareness@riseup.net (9h-19h)
  • Im Büro: Von 9h-19h während des Kongresses in der Klingenstr. 22 in Plagwitz
  • Zugang zu dem BIPoC-Raum und FLINT-Raum bekommst du auf Anfrage über die oben genannten Wege

Aus Kapazitätsgründen kann nicht bei jeder Veranstaltung eine Person aus dem Awareness-Team direkt anwesend sein. Grundsätzlich kann die*der verantwortliche Tech-Host angesprochen werden und dieser gibt den Kontakt der Awareness weiter.

Safer Spaces online

Wir möchten, dass der Kongress ein diskriminierungssensibler Raum ist und sich alle Teilnehmer*innen wohl und sicher fühlen. Uns ist bewusst, dass sich ein Digitaler Raum noch schwerer sicher gestalten lässt und Grenzüberschreitungen häufig schneller und anonymer stattfinden können. Es kann somit keinen “safe space” (sicheren Raum) geben. Das bedeutet, es ist umso wichtiger, dass wir alle zusammen versuchen einen “safer space” (diskriminierungssensiblen, sichereren Raum) zu gestalten.
Wir als Awareness-Team sind darum bemüht, diesen Raum auf dem Kongress mit zu schaffen. Wir möchten euch aber darauf hinweisen, dass wir keine weiterführende professionelle Hilfe, z.B. eine psychologische Betreuung anbieten können. Wir haben aber hier weiterführende Infos zu Kontaktstellen gesammelt.

Was bedeutet “Awareness”?

Der Begriff “Awareness” kommt aus dem Englischen „to be aware“ und bedeutet (im weiteren Sinne) „sich bewusst sein, sich informieren, für gewisse Problematiken sensibilisiert sein“. Gemeint ist ganz allgemein ein achtsamer und respektvoller Umgang miteinander. Auf dem Kongress „Zukunft für alle“ treffen sich Menschen mit unterschiedlichsten gesellschaftlichen Positionierungen, vielfältigen Erfahrungen und Meinungen. Wir freuen uns über diese Vielfalt und diesen gemeinsamen Lernraum.
Gleichsam leben wir in einer Gesellschaft, die leider von ungleichen Machtverhältnissen geprägt ist. Menschen werden aufgrund bestimmter Merkmale bevorteilt (Privilegierung) und benachteiligt (Diskriminierung) – ob absichtsvoll oder unbewusst ausgeübt.
Awareness ist ein Konzept, das sich gegen jede Form von Diskriminierung, Gewalt und Grenzverletzungen stellt. Verletzendes und grenzüberschreitendes Verhalten, wie z.B. sexistische, rassistische, homo-, transphobe, ableistische oder vergleichbare Übergriffe°, werden nicht toleriert. Betroffene werden im Sinne des Empowerments gestärkt und aktiv darin unterstützt, eigene Handlungsstrategien im Umgang mit Diskriminierung zu entwickeln.

Awareness geht uns alle an! – Kollektive Verantwortungsübernahme

Gemeinsam mit allen Beteiligten des Kongresses möchten wir Diskriminierung und Grenzüberschreitungen offen thematisieren und solchem Verhalten entschlossen entgegengetreten. Es gibt ein sensibilisiertes Awareness-Team auf dem Kongress. Um unserem Ziel einer befreit(er)en Gesellschaft näher zu kommen, ist es jedoch notwendig, dass jede*r Einzelne mit Verantwortung übernimmt. Nur in der gemeinsamen Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen können wir diesen etwas entgegensetzen, sie verändern und abbauen. Dazu gehört für uns das Bewusstmachen eigener Privilegien und bestehender Machtstrukturen.

Selbstfürsorge

Auf dem Kongress ist es wichtig, eigene Kräfte und Grenzen im Blick zu haben. Außerdem ist es wichtig, sich ausreichend Räume zum Reflektieren zu schaffen. Online macht schneller müde als physische Treffen und die Konzentration lässt schneller nach. Daher hier ein paar Tipps für eine gute Selbstfürsorge:

Es kann passieren, dass eine andere Person deine persönlichen Grenzen überschreitet. Wir ermutigen dich, diese Grenzen deutlich zu machen. Wenn du dir nicht sicher bist, bieten wir dir als Awareness-Team unsere Unterstützung an.
Es ist sinnvoll eine ruhige Umgebung zu schaffen, in der jede*r für die Dauer der Teilnahme gut sein kann.
Es ist wichtig, ausreichend Pausen zwischen den Workshops und Podien einzuplanen. Während der Veranstaltungen sprecht euch in der Gruppe ab, wie ihr eure Pausen gestalten wollt.
Zwischendurch bietet es sich an, sich zu bewegen, frische Luft zu schnappen und den Geist zu entspannen. Auch ausreichend Nahrung und Flüssigkeit sind wichtig.

Empowermenträume für BIPOC und FLINT*

Für BIPoC und FLINT*-Personen° bieten wir exklusive Online-Räume an, in denen ihr euch gegenseitig stärken und vernetzen könnt.

  • BIPoC (Black, Indigenous & People of Color)
  • FLINT* (Frauen, Lesben, Inter-, Nicht-Binäre-, Trans-Personen)

Pronomen

Wenn du den Raum betrittst, bitten wir dich, neben deinem Namen auch dein Pronomen zu schreiben. So wissen alle, wie du angesprochen werden möchtest. Sprich Personen mit dem jeweils von ihnen gewählten Pronomen an.

BEISPIELE
Selma, er, sein
Das ist Selma. Er heißt Selma. Selma ist sein Name.

Ibrahim, mensch, menschs
Das ist Ibrahim. Mensch heißt Ibrahim. Ibrahim ist menschs Name.

Ana, ?, ?
Das ist Ana. Ana heißt Ana. Ana ist Anas Name.

Jona, xier, xies oder Jona, xier, xieser, xiem, xien, xies
Das ist Jona. Xier heißt Jona. Jona ist xies Name. Jona hört mich xiesen Namen rufen. Besonders an xiem ist, dass viele xien kennen. –> mehr Informationen und Anwendungsbeispiele findet ihr auf der Webssute von Anna Heger.

Privilegien

Unsere heutige Welt und alle gesellschaftlichen Bereiche sind maßgeblich von ungleichen Machtverhältnissen geprägt. Diese wirken ständig und überall auf institutioneller (z.B. Gesetze, Arbeitsmarkt), zwischenmenschlicher (z.B. Ausgrenzung, sexuelle Belästigung)und ideologischer Ebene (z.B. Normen, Werte, Kultur). Sie führen zur Bevorteilung (Privilegierung) und Benachteiligungen (Diskriminierung) von Menschen. Es gibt Menschen, die durch ihre besonderen Privilegien (z.B. weiß/männlich/heterosexuell/reich) in einer machtvolleren Position gegenüber weniger privilegierten Menschen stehen. Zwar bedeutet, Privilegien zu haben nicht unbedingt, ein diskriminierendes Verhalten aktiv auszuüben. Sie können jedoch dazu beitragen, andere Menschen zu benachteiligen. Oftmals sind uns unsere Privilegien nicht einmal bewusst, was einen diskriminierungssensiblen Umgang miteinander erschwert. Daher laden wir euch ein, über eure Privilegien zu reflektieren.

Wie wollen wir (online) miteinander umgehen?

Wir fordern jede*n auf zu Achtsamkeit und Aufmerksamkeit im Miteinander. Achte auf deine Grenzen und Bedürfnisse und respektiere die der anderen. Wir wünschen uns auch auf einer digitalen Konferenz ein Klima, in dem alle zu Wort kommen können und in dem verschiedene Stände von (Un)Wissen produktiv zusammengebracht werden. Dafür ist es wichtig, sich gegenseitig respektvoll zuzuhören. Lasst einander ausreden und seid offen für Positionen anderer – solange darin keine Diskriminierung oder Grenzüberschreitung ausgedrückt werden.

Was tun bei Diskriminierung? Was ist eine Grenzverletzung?

Hat eine Person Gewalt, Übergriff(e) und/oder Diskriminierung erlebt, gilt die Sichtweise der betroffenen Person, d.h. sie schildert, wie sie das Erlebte wahrgenommen hat und daran orientieren wir uns als Awareness-Team. Manche Erlebnisse schlagen sich so stark nieder, dass die überwältigende Erfahrung zu einer Ohnmacht führt.
Frag im Zweifel, ob eine Situation, die du beobachtest, für die betroffene Person gerade in Ordnung ist. Bereits das Gefühl, nicht allein zu sein, kann manchmal schon ausreichen, um die eigene Kraft wiederzufinden.
Sei dir bewusst, dass andere Personen Grenzverletzungen und Diskriminierungen wahrnehmen können, auch wenn du sich nicht siehst!
Bist du von einer konkreten grenzverletzenden Situation betroffen, stehen deine Bedürfnisse im Mittelpunkt, nicht die der verursachenden Person.

Im Dialog bleiben

Sollte es zu einem Zwischenfall kommen und wir als Awareness-Team werden dazu gerufen, entscheidest du als betroffene Person, welche Form der Unterstützung du dir wünschst. Gemeinsam werden wir nach Umgangs– und Handlungsmöglichkeiten suchen.
Nur weil diskriminierendes Verhalten nicht mit Absicht geschah, wird das Erleben einer diskriminierenden Erfahrung nicht weniger schlimm. Gleichwohl passieren Übergriffe mitunter aus Unwissen heraus. Wir wünschen uns, dass dieses Unwissen zu Wissen wird und so zu einer Veränderung des eigenen Verhaltens werden kann. In diesem Sinne möchten wir einen Dialog ermöglichen. Letztendlich entscheidest aber du als betroffene Person, ob du ein (ggf. moderiertes und begleitetes) Gespräch mit der Person möchtest, von der die Diskriminierung ausging.

Wann findet ein Ausschluss vom Kongress statt?

Übergriffe, die dazu führen, dass ein weiteres gemeinsames Nebeneinandersein auf dem Kongress nicht mehr möglich ist, können zu einem Veranstaltungsausschluss führen.

Quellen

Awareness–Konzept von Bildung.Macht.Zukunft
Awareness-Konzept des Feminist Future Festivals

Glossar (mit freundlichen Genehmigung des Feminist Future Festivals)

Intersexualität/Inter*
Unter intersexuellen Menschen werden Personen verstanden, die körperlich weder eindeutig dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden können. Der etwas offenere Begriff Inter* erfasst vielfältige Selbstdefinitionen und Lebensweisen von Personen, die mit Körpern geboren wurden, die sich dem zweigeschlechtlichen medizinischen oder gesellschaftlich normierenden Standard entziehen.
People of Color, PoC
ist eine internationale Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrungen. Der Begriff markiert eine politisch-gesellschaftliche Position und versteht sich als emanzipatorisch und solidarisch. Er positioniert sich gegen Rassismus und Kulturalisierung sowie gegen diskriminierende Fremdbezeichnungen durch die weiße Mehrheitsgesellschaft. Wenn es um Frauen* geht, wird auch Women of Color (WoC) gebraucht.
Rassismus
Rassismus ist eine Ideologie der Unterdrückung und wurde im Zuge des Kolonialismus und des Versklavungshandels hervorgebracht. Rassismus unterstellt eine „Rangordnung“ von Menschen, die sich auf vermeintlich biologische und/oder kulturelle „Kriterien“ bezieht. Rassistische Argumentationen dienen dazu, weltweite Macht- und Herrschaftsverhältnisse abzusichern und zu rechtfertigen. Rassismus hat verschiedene Formen. Er wirkt strukturell, institutionell und alltäglich, wird aber häufig verleugnet. Rassismus verhindert die gleichberechtigte Teilhabe von People of Color an gesellschaftlichen, sozialen und politischen Belangen.
Eine Form des Rassismus ist der institutionelle Rassismus, der staatlichem und nicht-staatlichem institutionellem Handeln/Nichthandeln innewohnt (fehlendes Wahlrecht oder fehlende Repräsentation, Diskriminierung beim Zugang zu Bildung, Arbeit oder dem Wohnungsmarkt, rassistische Polizeikontrollen etc.).
Schwarz und Schwarzsein
Schwarz ist eine Selbstbezeichnung und wird groß geschrieben. Der Begriff markiert eine von Rassismus betroffene gesellschaftliche Position. Er ist ein Ergebnis der Kämpfe der Schwarzen deutschen Frauen(-bewegung). Damit wurde der Grundstein für eigenständige Schwarze Räume und die Selbstorganisation Schwarzer Communitys in Deutschland gelegt. Ein im Zuge dessen entstandenes Selbstverständnis drückt sich heute in einem umfangreichen politischen,
kulturellen und wissenschaftlichen Schaffen aus. Die Selbstbezeichnung ist ebenfalls ein entscheidender Schritt für Prozesse der individuellen und gesellschaftlichen Dekolonisierung.
Sexismus
Sexismus bezeichnet verschiedene Formen der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres zugeschriebenen Geschlechts sowie die diesem Phänomen zugrunde liegende Geschlechterrollen festschreibende und hierarchisierende Ideologie.
Trans*
Trans* steht für die Vielfalt von Trans*Menschen und meint ein breites Spektrum von Selbstdefinitionen und Lebensweisen von Menschen, die sich nicht oder nur zum Teil mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei Geburt zugewiesen wurde, z. B. Transgender, nicht binär geschlechtlich und viele andere. Trans*Personen haben (auch in Deutschland) immer noch mit einer Vielzahl struktureller Diskriminierungen zu kämpfen.
Weiß und Weißsein
Der Begriff „weiß“ bezeichnet keine biologischen Eigenschaften, sondern die speziellen Machterfahrungen von Menschen und Gruppen, die sich dieser Macht oft nicht bewusst sind.
Weißsein ist innerhalb des gesellschaftlichen Machtverhältnisses Rassismus eng an soziale, politische und kulturelle Privilegien geknüpft. Im Hinblick auf die Partizipation an gesellschaftlichen Ressourcen profitieren Menschen, die nicht von Rassismus oder Antisemitismus betroffen sind – und zwar unabhängig davon, wie sie persönlich zu diesen Ideologien stehen.

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