2048

Heute leben wir alle in lebendigen Nachbarschaften, deren Zentren sogenannte Lebensmittelpunkte sind. Wir wohnen in verschiedenen selbstgewählten Formen und können diese auch wechseln. Wohnraum ist in kommunaler, genossenschaftlicher oder gemeinschaftlicher Hand. Klimagerechtes Wohnen ist möglich und die neue Normalität. Das Leben auf dem Land ist genauso attraktiv wie städtisches Wohnen.

Im Jahr 2048 gibt es:
↦ Wohnen als Grundrecht
↦ Zugang zu gutem Wohnraum für alle
↦ lebendige Nachbarschaften auf dem Land und in der Stadt

2048 gibt es nicht mehr:
⇤ Wohnungslosigkeit
⇤ Profite durch Wohneigentum
⇤ triste Wohnblöcke
⇤ anonyme Nachbarschaften
⇤ Quartiere und Dörfer ohne Zugang zu Dingen des täglichen Bedarfs

Vielfältige Wohnformen

Jede*r kann sich die eigene Wohnform aussuchen. Wohnen ist multifunktional und kann mit Tätigkeiten in unterschiedlichen Bereichen kombiniert werden. Menschen wohnen in verschiedenen Formen – als (Wahl-)Familie, Paare, in Wohngemeinschaften und in Mischungen aus eigenem Raum und Gemeinschaft. Umzüge sind ohne Probleme möglich, wenn mit einer neuen Lebensphase neue Wohnbedarfe auftreten – somit können Menschen auch bis ins hohe Alter selbstbestimmt leben . Alle Wohnformen sind legal – auch angeeignete leerstehende Häuser, Bauwägen, Zelte oder umgebaute Lastwägen.

Wohnraum ist in kommunaler, genossenschaftlicher oder gemeinschaftlicher Hand. Mit Wohnen wird kein Profit mehr gemacht. Auch Boden ist kein Privateigentum mehr, er wird als Gemeingut von der Kommune verwaltet.

Lebensmittelpunkte

Wohnraum ist relativ gleich verteilt: Es gibt genügend Wohnraum und mehr Freiräume für alle, dafür aber weniger individuellen Wohnraum als noch 2020 – da waren es in Deutschland mehr als 45qm pro Person. Stattdessen werden mehr Flächen gemeinschaftlich genutzt.

Erdgeschosse von Wohnhäusern in Städten beherbergen solidarische und ökologische Betriebe. Dort oder in separaten Gebäuden liegen gemeinsame Räume für alle und zur Begegnung. In jedem Quartier und Dorf gibt es „Lebensmittelpunkte“, ein Ort an dem Menschen füreinander kochen, gemeinsam essen, sich austauschen, Sorgearbeit verteilen und Neue Willkommen heißen können. Auch die weitere für ein gutes Leben notwendige Infrastruktur wie Waschbereiche, Werkstätten, Ateliers, Spielzimmer, Proberäume, Sporträume, Kinos, Mediatheken und Gärten wird geteilt. Diese Räume sind offen und vielfältig nutzbar. Insgesamt ist dadurch ein größeres Miteinander und eine solidarische Nachbarschaft entstanden.

Dazu kommen die Willkommenszentren (→ Bewegungsfreiheit), Gesundheitshäuser (→ Gesundheit und Teilhabe) und Häuser des Lernens (→ Bildung), die von mehreren Nachbarschaften geteilt werden.

SO LEBT SAM

Sam (geb. 2034): Ich wohne in Leipzig Lindenau. Ganz wichtig für das Viertel ist der Ort, an dem wir jetzt sind: der sogenannte Lebensmittelpunkt. Hier gibt es Essen für alle, Grundnahrungsmittel zum Mitnehmen, eine Gemeinschaftsküche mit leckerem warmem Essen zweimal am Tag. Und da ist auch der Ort, an dem neue Leute ankommen, die ins Viertel ziehen, also unser Willkommenszentrum. Ich habe hier viele meiner besten Freund*innen kennen gelernt. Hier finden unsere wöchentlichen Treffen der Nachbarschaftsräte statt und wir entscheiden, wie Sorgearbeit unter uns aufgeteilt wird. Da habe ich auch gelernt, wie wichtig es ist, dass alle Kinder früh mal auf Kleinere aufpassen. Scheinbar wurde das früher oft nur den Mädchen erlaubt, weshalb dann gedacht wurde, die können das besser. Ich wohne hier um die Ecke in einer großen WG. In dem Haus sind viele verschiedene Wohnungen in unterschiedlichen Größen und die Leute wechseln immer mal rum, je nach Bedarf. Gerade hat eine junge Familie mit einem älteren Paar getauscht, das in einer Vier-Zimmer-Wohnung mit einer guten Freundin gewohnt hat.

Klimagerechtes Bauen und Nutzen

Wohn- und Nutzraum wird vollständig mit regenerativer Energie versorgt. An Fassaden und auf Dächern wachsen Pflanzen, um das Klima zu regulieren und mehr Flächen für Nahrungsmittelanbau bereitzustellen. Dinge des täglichen Bedarfs wie Läden, Spielorte für Kinder und Gesundheitshäuser sind fußläufig zu erreichen. Dadurch ist klimagerechtes Wohnen möglich und die neue Normalität.

Solche Nachbarschaften sind einerseits durch einen weitgehend ökologischen Umbau des Bestandes entstanden, der sich an Bedürfnissen der Bewohner*innen orientierte und demokratisch gestaltet wurde. Andererseits gibt es immer wieder auch Neubau in Form nachhaltiger Quartiere und Gebäude. Gebaut wird nur noch mit nachwachsenden, möglichst lokalen oder wiederverwendeten Materialien.

Gerechte Wohnraumvergabe und Kostenmiete

Zur heutigen Organisation von Wohnraum werden digitale Werkzeuge genutzt. Sie unterstützen auch die Wohnraumsuche und -vergabe. Einzelpersonen, Familien und Gruppen melden ihre Bedürfnisse in einem Onlineportal an. Diese werden mit dem verfügbaren Wohnraum vor Ort abgeglichen. Falls mehrere Optionen für die Suchenden und die in Frage kommenden Nachbarschaften passen, entscheidet das Los. Die Daten sind selbstverständlich gut geschützt und in gesellschaftlicher Hand. Mieter*innen erhalten damit Nutzungsrechte auf Zeit – der Wohnraum kann nicht mehr privatisiert werden.

Mieter*innen zahlen eine Kostenmiete. Diese ermöglicht die Instandhaltung und notwendige Investitionen. Sollten doch Überschüsse erwirtschaftet werden, so werden diese für Auf- und Umbau weiterer Wohnflächen verwendet, ähnlich dem Modell des Mietshäuser Syndikats, das es schon seit den 1990er Jahren gibt.

Attraktives Wohnen auf dem Land

Heute ist das Leben auf dem Land attraktiv, es gibt keinen massenhaften Wegzug der jungen und aktiven Menschen mehr in die Städte. Alle Siedlungen und Dörfer verfügen über all das, was einen angenehmen Alltag ausmacht. Die Infrastruktur dafür besteht aus den Lebensmittelpunkten als Versorgungszentren, Häusern des Lernens, Gesundheitshäuser, Cafés, lokalen Theatern, Kinos und vielem mehr. Bei größeren Dörfern findet sich all dies innerhalb des Dorfzentrums, für kleine Dörfer haben sich Dorfverbünde gebildet, die die Angebote gemeinsam bereitstellen und untereinander durch Fahrradwege und öffentlichen Nahverkehr gut zu erreichen sind. Die Pendeldistanzen zur Erwerbsarbeit sind kurz – soweit im jeweiligen Arbeitsbereich möglich. → Mobilität und Transport

Auch auf dem Land gibt es diverse Wohnformen. Einfamilienhäuser wurden seit den 2020er Jahren nach dem Wegzug der eigenen Kinder so umgestaltet, dass der Raum gut genutzt wurde. Zum Beispiel durch Umbau, Weitergabe und gemeinschaftliche Nutzung. Mischnutzungen von Gebäuden dominieren; Co-Working-Räume sind entstanden. Auch auf dem Land wird neuen Bewohner*innen das Ankommen durch Willkommenszentren vereinfacht. Dörfer und Kleinstädte sind bunt und vielfältig geworden. → Bewegungsfreiheit

Globale Verbundenheit

Auch wenn der Fokus auf den Gemeinschaften und Nachbarschaften liegt, in denen Menschen sich verwurzeln können und leben, werden globale Entwicklungen und die Verbundenheit aller miteinander viel stärker thematisiert. Informationen sind frei für alle zugänglich, Barrieren zu deren Zugang wie komplizierte Sprache und ein Fokus auf schriftlichen Informationen werden aktiv abgebaut. Auch Kultur, Tanz, Musik und Theater werden nicht von einer kleinen Elite produziert und kontrolliert, sondern von allen – in Form einer Koexistenz verschiedener vernetzter Stile und Traditionen mit viel Austausch.

2020
Was es schon gibt

→ Deutsche Wohnen enteignen
Berliner Großkonzerne enteignen, um guten Wohnraum für alle zu ermöglichen.

→ Mietshäusersyndikat
Netzwerk von selbstorganisierten Häusern, die dauerhaft dem Markt entzogen sind.

→ Sowo Leipzig eG
Genossenschaft, die Gemeinschaftshäuser kauft und verwaltet.

→ Neustart Schweiz
Idealtypische Quartiere für 500 Personen.

→ Planbude
Vorzeigeprojekt der gemeinschaftlichen Stadtplanung.

→ Rotes Berlin
Maßnahmenprogramm zur demokratischen Vergesellschaft von Wohnraum.

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