Die Frage „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ ist leichter zu beantworten als die Frage „Und wie kommen wir dahin?“. Warum? Um zu einer Gesellschaft zu kommen, wie wir sie in dieser Vision einer Zukunft für alle skizzieren, muss sich in fast allen Bereichen und auf verschiedenen Ebenen Vieles ändern. Da fällt es schwer, sich auch nur vorzustellen, wie das geschehen kann. Und vielleicht noch entscheidender: Einige Menschen sehen keine Notwendigkeit für solche Veränderungen oder verhindern diese, weil sie durch existierende Machtstrukturen von den derzeitigen Verhältnissen profitieren; andere haben nicht ausreichend gesellschaftliche Macht, um die Veränderungen auch durchzusetzen. Das zeigt sich an den enormen Widerständen, die selbst bei verhältnismäßig kleinen Umbrüchen wie dem Braunkohleausstieg sichtbar werden.

Aktuell fehlen hierzulande (partei-)politische Mehrheiten oder ausreichend starke soziale Bewegungen für solch grundlegende Gesellschaftsveränderungen, wie sie in dieser Vision dargestellt werden. Aber das muss ja nicht so bleiben.

Du schreibst Geschichte…

Menschen machen Geschichte – immer unter den Bedingungen, die sie vorfinden. Gesellschaften verändern sich, bestehende Strukturen und auch Machtstrukturen können aufgebrochen und transformiert werden. Dinge, die früher unvorstellbar erschienen, werden Realität. Veränderung beschleunigt sich immer wieder – manchmal auch durch Krisen. Und: im Vorhinein können wir nicht wissen, welche Richtung diese Verän-derung nimmt.

Auch wenn der Fokus unseres Projekts auf der Frage liegt, wie eine Zukunft für alle aussehen könnte, haben wir in den Zukunftswerkstätten ebenfalls intensiv darüber nachgedacht, welche Transformationswege zu dieser Vision hinführen. Im folgenden Abschnitt versuchen wir, einige Schlaglichter dieser Debatten aufzuschreiben. Dies ist – wie alles in dieser Vision – vor allem eine Denkübung und eine Einladung zur kritischen Diskussion und Weiterentwicklung. Denn natürlich weiß niemand, wie die Transformation wirklich vonstatten gehen wird. Aber eins wissen wir: Es liegt an uns allen.

Wie verändert sich Gesellschaft?

Gesellschaftsveränderungen werden durch viele unterschiedliche Menschen, Organisationen und Netzwerke vorangetrieben, die verschiedene Strategien und Interessen verfolgen. Das zeigen historische Studien zur Abschaffung der Sklaverei, zur Einführung des Frauenwahlrechts oder zu den Möglichkeiten, Utopien umzusetzen (siehe Box rechts). Gesellschaftlicher Wandel wird nicht nur durch die Politik vorangetrieben – er kann von allen ausgehen. Von Menschen in sozialen Bewegungen, Medien, Pionier*innen, Verbraucher*innen, Wissenschaftler*innen, Gewerkschaften, Eltern, Künstler*innen, Lehrer*innen, Schüler*innen – von uns allen. Grundlegende Veränderungen sind möglich, wenn viele verschiedene Akteur*innen in die gleiche Richtung arbeiten.

Dabei können und müssen sich verschiedene Strategien ergänzen. Anknüpfend an den Transformationsforscher Erik Olin Wright halten wir drei davon für zentral.

Zum einen erproben Menschen jenseits von Markt und Staat veränderte Institutionen, Infrastrukturen oder Organisationsformen. Diese Freiräume – von der Solidarischen Landwirtschaft über den selbstorganisierten Kinderladen bis hin zu Genossenschaftsbetrieben – sind Labore, in denen andere Formen des Wirtschaftens und Zusammenlebens eingeübt werden. Sie entstehen innerhalb und trotz der alten Strukturen, nehmen aber ein zukunftsfähiges Gesellschaftssystem im Kleinen vorweg. Freiräume verändern Menschen und unsere Wünsche, stellen Lernräume dar und können in Kombination mit den anderen Strategien qualitative Veränderungen sozialer Systeme nach sich ziehen.

Eine zweite Strategie setzt bei heutigen Strukturen, Institutionen und Gesetzen an und versucht diese schrittweise zu verändern. Wenn diese politischen Reformen dabei über das aktuell vorherrschende Gesellschaftssystem hinausweisen und weitere Transformationen begünstigen, lassen sie sich als revolutionäre Realpolitik beschreiben. So zum Beispiel bei Politiken für eine allgemeine Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit, radikale Umverteilung von Einkommen und Vermögen, kommunale Mitbestimmung oder ein Grundeinkommen.

In einer dritten Strategie geht es darum, Gegenmacht aufzubauen. Denn andere Wirtschaftsstrukturen von unten zu entwickeln und grundlegende Reformen zu erreichen braucht nicht nur Mehrheiten in der Bevölkerung, sondern auch die konkreten Mittel, Ressourcen und gesellschaftliche Macht, um die dafür notwendigen Veränderungen durchzusetzen. Grundlegende Gesellschaftstransformationen sind nur möglich, wenn sich die vielfältigen Akteur*innen – von den Medien über Parteien bis hin zu ökonomischen Pionier*innen – zusammenschließen, um zukunftsweisende Bündnisse zu schmieden und Diskurse zu verschieben. Also eine Weltsicht zu verbreiten, die für eine Zukunft für alle jenseits von Herrschaftsverhältnissen steht, und diese gemeinsam zu erkämpfen: inklusiv, feministisch, antirassistisch, dekolonial, ökologisch, demokratisch, erreichbar. Hierfür müssen Auseinandersetzungen in den Köpfen und zwischenmenschlichen Beziehungen, auf den Straßen, in den Betrieben, Krankenhäusern und Parlamenten geführt werden. Massenstreik, Partei und Gewerkschaften.

All diese Strategien müssen dabei an den gesellschaftlichen Entwicklungen ansetzen, die zum jeweiligen Zeitpunkt stattfinden und oft krisenhaft verlaufen. Wie wir in der Einleitung geschrieben haben, zeigt auch die Corona-Krise, wie stark Krisen Gesellschaften verändern – und dabei manchmal auch Möglichkeitsfenster für eine Zukunft für alle sein können, wenn sie genutzt werden.

Literatur zu Gesellschaftsveränderung

Akuno, Kali, und Ajamu Nangwaya. Ottawa: Daraja Press, 2017. Jackson Rising: The Struggle for Economic Democracy and Black Self-Determination in Jackson, Mississippi.

Brie, Michael. Berlin: Karl Dietz Verlag, 2009. Radikale Realpolitik – Plädoyer für eine andere Politik.

Göpel, Maja. Berlin: Ullstein, 2020. Unsere Welt neu denken: Eine Einladung.

Luxemburg, Rosa. Berlin: Manifest, 2019. Massenstreik, Partei und Gewerkschaften.

Muraca, Barbara. Berlin: Verlag Klaus Wagenbach, 2014. Gut leben. Eine Gesellschaft jenseits des Wachstums.

Polanyi, Karl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1973. The Great Transformation: Politische und ökonomische Ursprünge von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen.

Schneidewind, Uwe. Frankfurt am Main: Fischer, 2018. Die Große Transformation: Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels.

Scheidler, Fabian. Wien: Promedia, 2016. Das Ende der Megamaschine: Geschichte einer scheiternden Zivilisation.

Sutterlütti, Simon, und Stefan Meretz. Hamburg: VSA, 2018. Kapitalismus aufheben: Eine Einladung, über Utopie und Transformation neu nachzudenken.

Umweltveränderung. Berlin: WBGU, 2011. Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation.

Wright, Erik Olin. Berlin: Suhrkamp Verlag, 2017. Reale Utopien: Wege aus dem Kapitalismus.

In unserer Vision wurde die Entwicklung durch fünf Megatrends bestimmt, die sich gegenseitig bedingen, beeinflussen und miteinander verschränkt sind. Gehen wir ihnen in einem Bericht aus der Zukunft nach.

Globale Umverteilung

Eine der wichtigsten Entwicklungstendenzen zwischen 2020 und 2048 war, dass die Welt zunehmend gerechter wurde. Während die Verteilung von Vermögen, Ressourcen, Macht, Wohlstand und Lebenschancen 2020 noch extrem ungleich war, hat sie sich bis zum Jahr 2048 auf allen Ebenen ungefähr angeglichen – und zwar sowohl innerhalb von Gesellschaften als auch global zwischen verschiedenen Regionen und Erdteilen.

Diese Umverteilungs- und Aneignungsprozesse sind nicht linear und konfliktfrei abgelaufen, es gab immer wieder Rückschritte und harte Auseinandersetzungen. Vorangetrieben wurde der Trend vor allem durch soziale Bewegungen aus dem Süden. Unter dem Slogan „Ihr lebt nicht weiter auf unsere Kosten!“ vernetzten sie sich zunehmend und stellten die globale Machtverteilung in Frage. Sie arbeiteten eng mit den antirassistischen und (Klima-)Gerechtigkeitsbewegungen aus dem Norden zusammen, die Rassismus, kapitalistischen Wettbewerb und die imperiale Lebensweise kritisierten. Eine gestärkte internationale solidarische Gewerkschaftsbewegung stellte die Arbeitsbedingungen im globalen Süden in den Fokus und erreichte die gesetzliche Verschärfung von sozialen Regulierungen. Sie nahm zunehmend ausbeuterische transnationale Konzerne in den Fokus ihrer Aktionen. (Neo-)Koloniale Ausbeutung, ökologische Zerstörung und Menschenrechtsverletzungen, die als Voraussetzung von „Wohlstand“ galten, wurden sichtbar gemacht und kritisiert.

Die stärker werdenden dekolonialen Bewegungenbrachten in vielen Ländern des Südens Regierungen an die Macht, die unfaire globale Handelsabkommen außer Kraft setzten und globale Bewegungsfreiheit einforderten. In enger Kooperation ersetzten sie die globale Hegemonialmacht des Westens. An ihre Stelle traten nicht neue Supermächte, sondern eine solidarische globale Politik, eine Vertiefung von weltweiter Demokratie, ein fairer internationaler Handel und eine grundsätzliche Friedenspolitik. Die Zahl der Kriege und bewaffneten Konflikte sank – durch Abrüstungsabkommen und Produktionsverbote wurden Waffen weitgehend verbannt. Grenzen wurden für Personen nach und nach geöffnet. Zuerst, weil sich Menschen das Recht auf Bewegungsfreiheit nahmen und dabei durch Netzwerke von solidarischen Städten unterstützt wurden, die diese aufnahmen, dann ab Ende der 2020er Jahre auch durch politische Abkommen.

Überall auf der Welt setzten sich radikale Umverteilungspolitiken durch: sozial-ökologische Steuerreformen, Vermögensabgaben und hohe Erbschaftssteuern. Zentral waren auch ein umfassender Schuldenschnitt und Entschuldungen, zuallererst der Länder des globalen Südens. Es kam – besonders in Krisensituationen – immer wieder zu Wellen von sozialen Aneignungsprozessen, in denen Beschäftigte Betriebe übernahmen, Bäuer*innen sich das Land aneigneten, auf dem sie arbeiteten, und Menschen Wohnraum besetzten. Die ursprünglichen Eigentümer*innen wehrten sich zwar anfangs juristisch dagegen, fügten sich aber dann in die neuen Verhältnisse – teilweise unter Vermittlung lokaler anerkannter Instanzen oder der Aushandlung von angemessenen Entschädigungen. An vielen Orten folgten Versöhnungskommissionen. Progressive Regierungen, die mehr Gleichheit umsetzten wollten, sicherten dies rechtlich ab. Um die über Jahrhunderte aufgehäufte koloniale und Klimaschuld auszugleichen, die einer gerechten Verteilung und gleichen Lebenschancen im Wege standen, wurden auch Reparationen an den globalen Süden ausgehandelt – in finanzieller Form, als Übergabe von Produktionsmitteln sowie als Zugang zu Wissen und Technologien. Diese Umverteilungsmaßnahmen und Aneignungsprozesse ermöglichten den kontinuierlichen Ausbau sozialer Garantien für alle.

Ökologische Transformationen

Das Ausmaß an Umweltzerstörung ist zurückgegangen, besonders in den 2020er Jahren. Der Ressourcenverbrauch wurde stark gedrosselt und die Belastung von Ökosystemen durch Treibhausgase und chemische sowie andere Schadstoffe verringert. In vielen Gebieten nahm die Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen wieder zu – Renaturierung, ökologische Nutzung und die Ausweisung von Naturschutzgebieten durch die lokale Bevölkerung spielten dabei wichtige Rollen. Landwirtschaft und Stadtplanung änderten völlig ihre Perspektive – das Label „Bio“ verschwand in Europa, denn pestizidfreie Landwirtschaft ohne fossilen Dünger wurde die neue Normalität. Die Fruchtbarkeit der Böden nahm durch neue Formen der Bewirtschaftung zu statt ab. Stadtgrün wurde als Lebensraum und essbare Landschaft neu gestaltet. Dadurch veränderten sich gesellschaftliche Naturverhältnisse grundlegend – den Menschen wurde klar, dass sie Teil einer Mitwelt sind, in der sie leben und für die sie Sorge tragen, statt sie auszubeuten.

Für viele dieser Entwicklungen wurden 2020 schon die Grundbausteine gelegt. So hatte sich eine breite Klimagerechtigkeitsbewegung gebildet, die durch Schulstreiks, zivilen Ungehorsam und politische Forderungen Einfluss nahm. Währenddessen wurde die Klimakatastrophe ein großes Thema für viele Menschen – nicht zuletzt wegen der spürbaren Veränderungen, z.B. durch heiße und trockene Sommer oder Extrem wettereignisse. Dadurch erkannten auch die Bäuer*innenverbände die Problematik, veränderten ihre Lobbyarbeit und damit in der Folge auch die Landwirtschaftssubventionen. Vielerorts wurden Experimente eines umweltgerechten Wirtschaftens und Lebens ausprobiert, durch steuerrechtliche Rahmenbedingungen begünstigt und erreichten so immer mehr Menschen. Schließlich büßten die Verfechter*innen einer umweltzerstörenden Praxis, allen voran die fossilen Energieversorgungsunternehmen und die Automobilindustrie, viel von ihrem Rückhalt in der Bevölkerung und ihrer politischen Macht ein.

Soziale Bewegungen und einzelne Parteien forderten dieser Ausgangssituation mehr soziale und ökologische Maßnahmen. Sie erkannten an, dass die nicht-menschliche Mitwelt und soziale Gerechtigkeit nicht weiter gegeneinander ausgespielt werden durften. So forderten Bündnisse aus Umwelt-, Klima-, Anti-Rasissmus-, Ernährungssouveränitäts-Gruppen, FLINT*-Netzwerken, Gewerkschaften und viele andere zusammen nicht nur autofreie Innenstädte und ein Ende der Kohle, sondern auch sozial gerechte Übergänge für die Arbeiter*innen der fossilen Industrie und der Autoindustrie. Diese Forderungen weiteten sie auf das gesamte Sozial- und Erwerbssystem aus.

Soziale Sicherung und eine Umverteilung von Arbeit ermöglichten endlich die Umsetzung von Umweltpolitiken, die lange den Zielen des Wirtschaftswachstums, der Vollbeschäftigung und der nationalen Wettbewerbsfähigkeit geopfert worden waren. Das Ergebnis war eine umweltgerechte Umgestaltung der Wirtschaft, die in vielen Teilen schon 2030 abgeschlossen war – weg von ressourcenintensiver Produktion hin zu Kreislaufwirtschaft, ökologischer Landwirtschaft und gerechter Verteilung.

Transformation der Wirtschaft

Die gesamte Wirtschaft – also die Art und Weise, wie Menschen produzieren und verteilen – wurde in den vergangenen 30 Jahren grundlegend transformiert, demokratisiert und neu ausgerichtet. Durch die Demokratisierung der Wirtschaft veränderte sich nicht nur die Rolle der Märkte, sondern die Grundlagen des Wirtschaftens wurden neu definiert. Zentral ist heute die Bedürfnisbefriedigung aller Menschen, ohne auf Kosten anderer zu leben.

Diese Transformation bestand im Kern aus drei parallel laufenden und noch nicht abgeschlossenen Entwicklungen: Erstens wurde die Dominanz von Märkten und Marktlogiken immer weiter zurückgedrängt. Märkte existieren nur noch in Bereichen, in denen Menschen demokratisch entschieden haben, dass sie (noch) sinnvoll sind. Die verbleibenden Märkte wurden durch politische Regulierungen und demokratische Betriebsformen auf die Befriedigung von Bedürfnissen und das Gemeinwohl ausgerichtet. Zweitens wurden immer mehr Bereiche, die für ein gutes Leben und gesellschaftliche Teilhabe notwendig sind, als allgemeine, allen zugängliche und öffentliche Daseinsvorsorge organisiert. Drittens entstanden immer mehr selbstorganisierte Alternativen, die nach den Prinzipien der solidarischen Landwirtschaft oder als Beitragsökonomien ohne Marktprinzipien und teilweise geldfrei nach dem Motto „Beitragen statt Tauschen“ funktionierten.

Im Lauf der Zeit – und vor allem seit den späten 2030er Jahren – hat sich die Gewichtung immer weiter Richtung selbstorganisierter Commons und weg von Märkten verschoben. Zentral für alle drei Entwicklungen war eine grundlegende Veränderung der Eigentumsverhältnisse, so dass Anfang der 2040er Jahre alle wichtigen Produktionsmittel und größeren Vermögen vergesellschaftet waren: Sie werden heute demokratisch von Kommunen, Städten, Kooperativen und anderen rätedemokratischen Gremien verwaltet und ermöglichen, dass die Wirtschaft von allen und für alle ist.

Ein wichtiger Wendepunkt in den frühen 2020er Jahren waren die Erfahrungen mit der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Weltwirtschaftskrise. Die auf Märkte und Freihandel ausgerichtete Wirtschaftslehre, die bis dahin gesellschaftliche Debatten und Politik bestimmt hatte, wurde vom Kopf auf die Füße gestellt. So hieß es zunehmend: Märkte wären nur dann sinnvoll, wenn sie den Menschen und der Umwelt dienten. Wenn nicht, dann sollte die Wirtschaft kooperativ organisiert werden.

Soziale Bewegungen setzten Regierungen unter Druck, wirtschaftliche Rettungsmaßnahmen mit einer grundlegenden Umstrukturierung der Ökonomie zu verbinden. Die feministischen und migrantischen Streiks in den versorgungsrelevanten Sektoren Pflege, Einzelhandel und Gastronomie erreichten gleichberechtigte Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. Sie läuteten auch intensive Debatten, gesellschaftliche Auseinandersetzungen und das Ende der sexistischen und rassistischen Arbeitsteilung ein. Auch der Zwang zur Lohnarbeit und die Abhängigkeit vom Wachstum wurden kritisiert. Das führte zu einer radikalen Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit sowie zum Ausbau der öffentlichen Daseinsvorsorge. Erst führten die Regionen in Italien und Spanien, die besonders von der Corona-Krise betroffen waren, ein Teilhabe sicherndes Grundeinkommen ein, dann ganz Europa. Die Arbeitszeit wurde auf Druck der Beschäftigten und unterstützt von den Gewerkschaften immer weiter reduziert. Ab Ende der 2020er Jahre wurde die 20-Stundenwoche zur neuen Vollzeit, bei den unteren Tarifgruppen mit vollem Lohnausgleich.

Alle Banken, Versicherungen und Unternehmen, die staatliche Unterstützungsgelder brauchten, wurden entweder komplett vergesellschaftet oder an starken Gemeinwohlkriterien ausgerichtet. Viele Betriebe, denen die Insolvenz drohte, wurden von den dort Arbeitenden übernommen und als Genossenschaften weitergeführt. Gezielte Infrastrukturkredite für kooperative Unternehmen führten zu einer raschen Ausbreitung der solidarischen Ökonomie. Lokale Versorgungsgemeinschaften machten den Ausstieg aus dem Markt erlebbar. Immer mehr Menschen entdeckten, wie erstrebenswert und selbstverständlich Kooperation und sinnvolles, selbstbestimmtes Tätigsein sind.

Abbau von Diskriminierung und Herrschaft

Ab den 2020er Jahren wurden alle Formen von Diskriminierung und Herrschaft immer mehr in Frage gestellt, aktiv bekämpft und abgebaut. So schwierig dieser Prozess war, so einfach war das Ziel: Niemand sollte benachteiligt oder privilegiert werden. Rassismen, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Klassismus, der Benachteiligung von Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen, von alten Menschen und Kindern sowie anderen Formen der Diskriminierung wurde gesellschaftlich entgegengewirkt.

Dabei ging es um eine Umverteilung von Macht – ökonomisch, sozial, ideologisch, persönlich, rechtlich und politisch: Noch in den 2020ern wurden zahlreiche Gesetze verändert und angepasst; so traten neben das Gender Mainstreaming weitere Formen, alle neuen Gesetze auf ihre Auswirkungen auf alle Bevölkerungsgruppen zu überprüfen. Quotierungen veränderten den Arbeitsmarkt grundlegend. Ausgrenzung, sexuelle Belästigung und andere alltägliche Diskriminierungen wurden von immer mehr Menschen früh erkannt und ihnen wurde im Alltag entschieden entgegengetreten – sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum. Rassistische Statuen und Straßennamen wurden kritisiert und ausgetauscht, nicht-binäre Geschlechterrollen in allen Dokumenten mitgedacht, und behindertenfeindliche Schimpfwörter und Begriffe verschwanden – so änderten sich Normen und Werte.

Impulse für diese grundlegenden Veränderungen in allen Teilen der Gesellschaft kamen aus ganz verschiedenen Richtungen, die sich solidarisch aufeinander bezogen: So thematisierte die “Black Lives Matter”-Bewegung rassistische Polizeigewalt und Gesetze, antirassistische Bündnisse den Alltagsrassismus, selbstorganisierte Geflüchtete und postmigrantische Gruppen den Umgang mit Geflüchteten, queerfeministische Bewegungen die Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität, antifaschistische Bündnisse rechte Positionen und Gruppierungen, die Care-Bewegung die Ausbeutung von migrantischen Pflegekräften und Gewerkschaften die Diskriminierung aufgrund von Klassenzugehörigkeit.

Auf persönlicher Ebene führte dies dazu, dass privilegierte Menschen ihre Bevorteilung erkannten, reflektierten und sich für den Abbau von Diskriminierung einsetzten – und dabei viel Macht teilten. Dabei halfen nicht nur Selbstreflexionsgruppen (z.B. zu kritischer Männlichkeit oder kritischem Weißsein), sondern auch, dass Diskriminierung in allen Organisationen und am Arbeitsplatz kritisch diskutiert und gemeinsam bearbeitet wurde.

Die persönlichen Veränderungen hatten Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs – sexistische Werbung, ausschließlich mit Weißen besetzte Diskussionsrunden oder öffentliche Gebäude ohne Fahrstühle – all dies erschien zunehmend aus der Zeit gefallen. Stattdessen wurden Unisex-Toiletten und Antidiskriminierungs-Trai­nings zur Normalität und Bewegungsfreiheit ein Menschenrecht.

Nicht alle Menschen unterstützten diesen vielschichtigen Abbau von Diskriminierung und Herrschaft in der Gesellschaft – einige hielten an ihren Privilegien fest und verteidigten diese im Alltag und über ausgrenzende Politik. Aber diese Positionen wurden an den Rand gedrängt und rechte Parteien isoliert: Durch entschiedenes Eingreifen, solidarisches Verhalten und das Zusammenstehen von denen, die in einer Welt leben wollten, in der allen Menschen volle Teilhabe zusteht.

Mit der Zeit wurden die über Jahrhunderte konstruierten Unterschiede zwischen Menschen bedeutungsloser und damit auch Rassismus, Sexismus, Klassismus und anderen Herrschaftsformen. Wo eine Person oder die Vorfahren einer Person herkamen, wie jemand aussah, welchen Beruf Eltern und Großeltern ausübten, wie eine Person glaubte oder wie stark sie (den früheren) gesellschaftlichen Körper- und Leistungsnormen entsprach – all dies beeinflusste immer weniger die Lebens- und Entfaltungschancen von Menschen und das Maß an gesellschaftlicher Teilhabe. Welches Geschlecht eine Person hatte, spielte kaum noch eine Rolle im gesellschaftlichen Leben, Geschlechtergrenzen verwischten. Wen sie wie liebten, konnten alle Menschen selbstbestimmt ausleben, ohne dafür beurteilt zu werden.

Vieles davon wurde auch möglich durch gesellschaftliche Veränderungen in Wirtschaft oder Demokratie – die Verkürzung der Arbeitszeit veränderte die Arbeitsaufteilung zwischen allen Geschlechtern, soziale Garantien minderten Abstiegsängste und mehr Mitbestimmung wirkte Ausgrenzung entgegen.

Selbstbestimmung und Demokratisierung

Schließlich wurde die Gesellschaft seit den 2020er Jahren zunehmend demokratischer – Selbstbestimmung auf allen Ebenen und in allen Gesellschaftsbereichen wurde zur treibenden Kraft aller bereits skizzierten Entwicklungstrends.

Demokratisierung bedeutete, dass Macht umverteilt wurde: von zentralisierten Regierungen und Parlamenten auf Regionen, Kommunen, Städte, Gemeinden und Nachbarschaften, von Großaktionär*innen und Vorständen auf Betriebsräte, Genossenschaften und Kollektive, von wenigen auf alle.

Ausgangspunkt hierfür war die Empörung darüber, dass selbst Forderungen, für die es starke demokratische Mehrheiten gab, nicht umgesetzt wurden. Exemplarisch für diesen Prozess standen Fridays for Future und das #unteilbar-Bündnis für Solidarität statt Ausgrenzung. Deren Forderungen wurden Anfang der 2020er Jahre nicht in staatliche Politik umgesetzt, obwohl sie von immer mehr Menschen getragen wurden. Im Zusammenschluss mit anderen Bewegungen gründeten Menschen daraufhin Initiativen, Klima- und Zukunftsräte, solidarische Städte sowie Parteien und starteten vielfältige andere demokratische Experimente. Ziel war es, die eigenen Forderungen umzusetzen und sich dafür entsprechende Mittel zu organisieren und anzueignen, um so die notwendige Veränderung hin zu Klimagerechtigkeit und Solidarität vor Ort selbst in die Hand zu nehmen.

Die solidarischen Netzwerke der Selbsthilfe und Solidarität, die überall aus dem Boden schossen, waren vielerorts Ausgangspunkt nachbarschaftlicher Strukturen, die Menschen täglich mit Essen versorgten und Raum boten für emotionalen Austausch in einer Zeit, in der viele isoliert leben mussten. Diese Vorform der heutigen Lebensmittelpunkte waren Kern der Demokratisierung (→ Wohnen). So entstanden in den 2020er Jahren – angefangen mit Barcelona – immer mehr rebellische Städte. Auch in Deutschland, wo dies von Bremen, Berlin und Hanau sowie der Initiative „(Ruhr)Pott für alle“ ausging. Die Regierungen dieser Städte und Städteverbünde begannen nach und nach damit, ihre Macht an lokale Gremien abzugeben.

Neben diesen urbanen Experimenten gab es auch auf dem Land starke Prozesse der Demokratisierung. Regionen wie das freie Wendland, die sozial-ökologische Modellregion Lausitz und das klimagerechte Leipziger Land orientierten sich an den Strukturen Chiapas und Rojavas und wurden zu Vorbildern für rätedemokratische Strukturen.

Die größere soziale Gleichheit und Möglichkeiten der Mitbestimmung machten diese Experimente und Orte gelebter Demokratie zunehmend beliebter. So sahen sich nationale und Landesregierungen sowie Stadt- und Gemeinderäte gezwungen, mehr und mehr dieser Experimente offiziell anzuerkennen.

Was kleine und mittlere Unternehmen anging, so konnten sie sich dem Willen zur Mitbestimmung nicht lange entziehen und wurden von den Mitarbeiter*innen in Genossenschaften oder Kollektive umgewandelt. Börsennotierte Großunternehmen blieben für lange Zeit letzter Hort hierarchischer Strukturen, bis auch sie durch demokratische Entscheidungen in demokratische Unternehmensformen überführt und in kleinere Betriebseinheiten zerlegt wurden.

Alle diese grundlegenden Veränderungstrends waren miteinander verschränkt und verstärkten sich gegenseitig. Die Zukunft für alle entstand durch gemeinsame Wirken verschiedener Menschen. Welche Ereignisse es auf dem Weg gegeben haben könnte, haben wir auf dem nebenstehenden Zeitstrahl skizziert. Wir hoffen, diese Erzählung und die Ereignisse einer möglichen Zukunft machen zusammen den Pfad der Transformation vorstellbar.

Mal angenommen, die Entwicklung nimmt die denkbar beste Richtung: Wie sind wir dann vom Frühjahr 2020 bis zur Zukunft für alle im Jahr 2048 gekommen?

Alle diese grundlegenden Veränderungstrends waren miteinander verschränkt und verstärkten sich gegenseitig. Die Zukunft für alle entstand durch gemeinsame Wirken verschiedener Menschen. Welche Ereignisse es auf dem Weg gegeben haben könnte, haben wir im Zeitstrahl skizziert. Wir hoffen, diese Erzählung und die Ereignisse einer möglichen Zukunft machen zusammen den Pfad der Transformation vorstellbar.

2020

Finanzen
58 Tageszeitungen weltweit berichten über den größten Finanzskandal der Geschichte, aufgedeckt durch einen Whistleblower, der früher selbst Finanzlobbyist war. Die weltweite Empörung führt zu einer wachsenden Bewegung, mehr Wissen in der Bevölkerung, und ersten Reformen gegen Lobbyismus und für drastische Regulierung.

2021

Wohnen
Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen wird enteignet und zum Präzedenzfall für andere Städte. London, Frankfurt, New York und Jakarta folgen.

Finanzen
Die Testphase der von der schwedischen Reichsbank eingeführten E-Krona, der ersten offiziellen digitalen Vollgeldwährung, endet positiv. Sie wird als Nationalwährung eingeführt. Andere Länder folgen, zuerst Kanada und Island. Dies eröffnet weltweite Reformen für demokratisch kontrollierte Geldsysteme.

Technik
Inspiriert von Klima-Aktionen und katalysiert durch die Corona-Pandemie entwickelt die Hacker*innen- und Nerdszene zivilen digitalen Ungehorsam: durch den „No-Facebook-Friday“ wird Druck auf digitale Medien für mehr Datenschutz und Werbeverbote aufgebaut.

Ernährung und Landwirtschaft
Community Organizing wird als Modell für die Organisierung im Landwirtschaftsbereich eingesetzt, wodurch Bäuer*innen, soziale Bewegungen und lokale Bevölkerung zusammenkommen. Sie veranstalten u.a. Schnippeldiskos, öffentliche Brotzeiten, Ausflüge zu Erzeuger*innen und schaffen den beliebten Podcast „Lebensmittelpunkt im Ohr“.

Wirtschaft
Der deutsche Bundestag verabschiedet das während der Corona-Krise kurzzeitig fallen gelassene Lieferkettengesetz und zwing damit Konzerne, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Es findet anschließend weltweit Nachahmung und hilft so, faire Arbeitsbedingungen und ökologische Produktion durchzusetzen.

2022

Demokratie
Das bedingungslose Grundeinkommen wird in drei europäischen Ländern und Neuseeland eingeführt. Eine umfassende Studie kommt fünf Jahre später zu dem Schluss, dass es in 90% der Fälle zu einer Verbesserung der Lebenssituation geführt hat. Australien und die restlichen europäischen Länder ziehen daraufhin nach.

Energie und Klima
Durch Vertreter*innen der Postwachstumsbewegung und einen Zusammenschluss namhafter Klima-Wissenschaftler*innen kommt Suffizienz (also das Leben nach dem richtigen Maß) als Klimaschutzmaßnahme ins öffentliche Gespräch. Zwei Jahre später haben einige Regierungen bereits längere Garantiezeiten und Werbeverbote erlassen.

Bildung
Schüler*innen und Lehrer*innen rufen im Herbst Streikmonate aus, in denen sie selbstorganisiert ihren Interessen und ihrer Neugier nachgehen.

Wohnen
Zusammenbruch des Wohnungsmarktes in Europa aufgrund von Spekulation und Mietrückgängen. Zahlreiche Besetzungen, Widerstand gegen Zwangsräumungen und Gründung von Wohnräten. Viele Wohnungen werden in kommunale Hand, Genossenschaften und Nachbarschaften überführt.

Energie und Klima
Das Umweltbundesamt berichtet, dass die umweltschädlichen Subventionen in Deutschland von 57 Milliarden Euro auf 340 Millionen Euro gesunken sind.

Ernährung und Landwirtschaft
Land schafft Verbindung und Wir haben es satt schließen sich zu einer Demo zusammen und bringen 500.000 Menschen für eine soziale und ökologische Landwirtschaft auf die Straßen Berlins. Einige Monate später folgen Blockaden von Futtermittelhäfen.

Bewegungsfreiheit
Die Mauer zwischen Mexiko und den USA wird vollendet und innerhalb von zwei Monaten von Geflüchteten wieder durchbrochen.

Technik
Die Kampagne „public money – public good“ wird auf EU-Ebene in Gesetzesform gegossen: proprietäre Software wird in öffentlichen Einrichtungen verboten und Open Source Software gefördert.

Energie und Klima
Fridays for Future, Extinction Rebellion und Ende Gelände schließen sich in Europa zusammen und starten eine großflächige Kampagne zivilen Ungehorsams gegen fossile Infrastruktur und für eine andere Zukunft für Kohlearbeiter*innen.

Bewegungsfreiheit
Die nach massiven Protesten neu gewählte Regierung in Tunesien führt für EU-Bürger*innen eine Visa-Gebühr von 250 Euro ein, um Druck auszuüben für Grenzöffnungen zur EU.

2023

Energie und Klima
Die ehemaligen Braunkohlegebiete schließen sich zur Versuchsregion »Gutes Leben« zusammen und bestehen auf demokratischer Gestaltung ihrer Region durch Bürger*innen-Foren.

Arbeit
Der erste europaweite feministisch-migrantische Streik im Pflegesektor fordert bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung und tritt eine gesellschaftliche Debatte los.

Bildung
Lehrer*innen verkürzen den Stundenplan. Sie unterrichten nur noch drei Stunden in der Woche und begleiten darüber hinaus die Schüler*innen bei ihren Projekten.

Ernährung und Landwirtschaft
Der Film Anukta and Simon – food superheroes, in dem zwei Bäuer*innen und ihr Kampf für sozial-ökologische Landwirtschaft gezeigt werden, wird ein Welterfolg mit über 500 Millionen Zuschauer*innen.

Wohnen
Bestehende Alternativen im Wohnbereich machen vermehrt Öffentlichkeitsarbeit und werden durch Führungen sichtbarer.

Finanzen
Im Bündnis By 2025 we rise up blockieren finanzpolitische Gruppen zusammen mit Fridays for Future für eine Woche den Frankfurter Finanzdistrikt, um zu zeigen, dass Systemwandel der einzige Ausweg aus der Klimakatastrophe ist.

Technik
Die 1000. offene Werkstatt Deutschlands, in der Menschen selber basteln, bauen und reparieren können, wird eröffnet.

Ernährung und Landwirtschaft
Weltweit sind kooperativ geführte Lebensmittelläden und solidarische Landwirtschaften auf dem Vormarsch, der Trend zum Supermarkt wird umgekehrt.

2024

Mobilität
Massive Proteste zur Urlaubssaison blockieren Flug- und Schiffshäfen in ganz Europa. Unter den Demonstrierenden finden sich auch Wolfgang Schäuble und Edmund Stoiber, die durch einen Generationenvertrag mit ihren Enkelkindern umgedacht haben.

Wohnen
Das Recht auf Wohnraum wird gesetzlich verankert: Ab jetzt ist niemand mehr obdachlos, alle Menschen, die sich länger in Deutschland aufhalten, haben Anspruch auf Wohnraum.

Ernährung und Landwirtschaft
Massentierhaltung wird unter dem zweiten grünen Landwirtschaftsminister in Deutschland verboten, woraufhin binnen sechs Jahren die restliche EU, China und die USA folgen. Brasilien stellt den Sojaanbau auf ehemaligem Regenwald ein.

Bewegungsfreiheit
Über 1000 Städte weltweit erklären sich zu „Sicheren Häfen“. Sie setzen eigene Schiffe ein und retten damit tausende Menschenleben.

Technik
Die neue öko-soziale Regierung in den USA überführt die großen digitalen Konzerne Amazon, Apple, Google und Facebook in öffentlich-demokratisches Eigentum und teilt diese in kleinere Betriebe auf; gleichzeitig führt Divestment dazu, ähnlich schädlichen Start-Ups im Silicon Valley das Geld zu entziehen.

Bewegungsfreiheit
Die dreijährige Kampagne #DefundFrontex hat dazu geführt, dass die Gelder für die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache immer weiter gekürzt worden sind. Ende des Jahres wird sie vollkommen aufgelöst.

2025

Demokratie
Die Gewerkschaft für Gerechtigkeit gründet sich als Zusammenschluss aus 45 afrikanischen und südamerikanischen Gewerkschaften. Sie spielt in den folgenden Jahren eine Schlüsselrolle im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen im globalen Süden.

Energie und Klima
Die Open Source Videokonferenz-Plattform V_Conf errechnet, dass durch ihre Videokonferenzen statt Dienstreisen etwa 300.000 Tonnen CO2 eingespart wurden.

Bildung
Schüler*innen besetzen Rüstungsunternehmen und das Verteidigungsministerium und bewirken schließlich die Halbierung des Militäretats sowie die Umverteilung in den Bildungssektor.

Mobilität
Gießen, Göttingen, Freiburg und Hamburg feiern autofreie Wochenenden. Youtuber*innen berichten begeistert von der Straße.

Wirtschaft
Die Universität Mannheim ist die zehnte Universität Deutschlands, die das Fach Volkswirtschaftslehre durch Plurale Wirtschaftslehre ersetzt.

Wohnen
Um die Lebensverhältnisse anzugleichen, werden weltweit vernachlässigte Wohngegenden den Bedürfnissen der Bewohner*innen entsprechend ökologisch saniert und umgebaut, wobei der Mietpreis vorher gesenkt oder eingefroren wird. Wenig oder gar nicht genutzer Wohnraum in reichen Nachbarschaften wird umverteilt.

Arbeit
Arbeitende haben das Recht auf Sabbaticals, also auf längere Auszeiten vom Job, ohne Jobverlust.

Landwirtschaft und Ernährung
Die europäische Agrarpolitik wird komplett auf die Förderung biologisch und regional orientierter Landwirtschaft umgestellt, mit kleinbäuerlichem Schwerpunkt. Der Export europäischer Nahrung ist nur noch in Ausnahmefällen möglich, damit keine lokalen Märkte mehr zerstört werden.

Mobilität
Mercedes-Benz kündigt betriebsbedingt die Hälfte seiner Mitarbeiter*innen. Über den staatlichen Transformationsfonds werden alle Mitarbeitenden abgesichert. Durch die allgemeine Arbeitszeitverkürzung können alle neue Beschäftigungen finden, viele wechseln in den Sorgebereich.

Arbeit
Care-Räte sprießen in zahlreichen Städten aus dem Boden und organisieren Pflegestrukturen vor Ort. Ambulante Versorgung findet seitdem in vielen Stadtvierteln statt.

Finanzen
Der nächste Crash wurde politisch genutzt, um große Banken zu vergesellschaften oder abzuwickeln, Geschäfts- und Investitionsbanken zu trennen sowie eine Finanztransaktionssteuer einzuführen und Derivate zu verbieten.

Bewegungsfreiheit
Mehrere EU-Mitgliedsstaaten erklären die Seenotrettung zur öffentlichen Aufgabe. Einzelne EU-Mitgliedsstaaten werden für ihre Grenzpolitik der letzten Jahrzehnte verklagt und zur Rechenschaft gezogen.

Technik
Öffentliches Geld gibt es nur noch für offene Codes und gemeinwohlorientierte bzw. genossenschaftliche Organisationen.

2026

Energie und Klima
Die Klimaverhandlungen werden so massiv durch Proteste gestört, dass sie von Budapest nach Johannesburg verlegt werden. Nachdem es auch dort zu massiven Protesten kommt, werden sie abgebrochen. Über die nächsten Jahre entsteht aus dem Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und sozialen Bewegungen der Globale Rat für Zukunftsfähigkeit.

Arbeit
Der #AltenpfleGeheimSkandal geht viral und macht auf die prekäre Situation für Angestellte und ältere Menschen in den Altenheimen aufmerksam.

Bildung
Die ersten Häuser des Lernens werden in Thüringen eröffnet und werden Modellprojekte für die Bildungslandschaft der Zukunft.

Demokratie
Bremen wird zur ersten rebellischen Stadt in Deutschland und führt demokratische Nachbarschaftsstrukturen ein.

Arbeit
5000 Rollstuhlfahrenden und Senior*innen blockieren den Großen Stern in Berlin. Gefordert werden mehr Selbstbestimmung und Autonomie in der Pflege sowie ein Ende der Altersarmut.

Wohnen
Ein internationaler Pakt für nachhaltige Investitionen verbietet Landgrabbing, führt zur Rückgabe von Land an die lokale Bevölkerung und zu Ausgleichszahlungen. Weltweit wird der Trend der Landflucht durch die Möglichkeit, selbst Land zu bewirtschaften, umgekehrt.

Bewegungsfreiheit
We‘ll Come United Demonstration in allen europäischen Großstädten gleichzeitig – in Berlin kommen über eine Million Menschen zusammen.

Bewegungsfreiheit
Die Regierungen in Europa und den USA vergesellschaften großflächig Unternehmen: Darunter unter anderem große Immobilienkonzerne und Energieversorger. Deren Gewinne und Rücklagen werden genutzt, um Umweltschäden zu mildern und jene Regionen zu unterstützen, die schon sehr unter dem Klimawandel litten.

2027

Bewegungsfreiheit
Das Netzwerk solidarischer Städte umfasst mehr als die Hälfte aller größeren Städte Europas und Nordafrikas.

Arbeit
Die Pflegeversicherung wird eingestampft. Alle Dienste werden durch die Bürger*innenversicherung, in die alle Menschen einzahlen, abgedeckt.

Bildung
Ein neuer Lernplan integriert in Finnland, Indien und Argentinien digitale Kernkompetenzen und kritischen Umgang mit Onlinemedien. Ähnliches wird bis 2040 in alle Lernpläne weltweit übernommen.

Finanzen
Eine weltweite zivilgesellschaftliche Kampagne für Reparationen statt Schulden gipfelt in einer viertägigen Blockade der Jahrestagung des Internatioanlen Währungsfonds. In den folgenden Monaten werden 80% aller internationalen Schulden erlassen und ein umfassendes Programm für Ausgleichszahlungen für Klimaschuld und koloniale Ungleichheit vereinbart.

Ernährung und Landwirtschaft
Gesunde Ernährung, Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung wird in den neu gegründeten Häusern des Lernens zu einem zentralen Lernschwerpunkt.

Handel
Der Verbund kaffeeproduzierender Länder setzt progressive Handelsbedingungen für Kaffee, Tee und Schokolade durch. Diese werden nur noch unter ökologischen und sozialen Höchstkriterien zu deutlich höheren Preisen gehandelt und deutlich mehr lokal konsumiert.

Wohnen
Der von Recht-auf-Stadt-Gruppen in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen formulierte Kriterienkatalog zur Wohnungsplatzvergabe wird von deutschen Kommunen übernommen. So kann Wohnraum nach Bedürfnissen und nicht nach Einkommen und Zufall vergeben werden.

Wirtschaft
Im Rahmen einer globalen Kampagne, zunehmender Klagen gegen Konzerne und weltweit koordinierter Streiks werden zuerst Shell, dann weitere transnationale Konzerne in den Bankrott gezwungen.

2028

Finanzen
UNCTAD, die Gruppe der 77 und die EU einigen sich auf einen 20-Jahresplan zur Finanzierung der globalen sozial-ökologischen Transformation. Dieser beinhaltet auch Reparationen an Regionen, die besonders vom Klimawandel betroffen sind.

Technik
Eine neue EU-Novelle zum Datenschutz kommt Forderungen der Zivilgesellschaft nach und verbietet den Handel mit privaten Daten.

Bildung
Zukunftsgestaltung wird wird zu einem Schwerpunkt der Bildungspläne. Schüler*innen lernen, wie Proteste organisiert und demokratische Beteiligung gelebt werden können.

Mobilität
Münster, Mönchengladbach, Kiel und zehn weitere deutsche Städte beginnen den Bau einer Straßenbahn.

Gesundheit und Teilhabe
Pflege- und Altenheime sind weitgehend obsolet, Menschen leben in Wohngemeinschaften oder allein und werden dort versorgt.

2029

Demokratie
Die AfD wird als letzte rechtsradikale Partei aus einem Kommunalparlament in Bad Haningen gewählt. Seitdem haben Rassist*innen und Rechtsradikale nie wieder einen Fuß in Parlamente bekommen.

Bewegungsfreiheit
Boykottkampagnen und immer mehr direkte Aktionen gegen Abschiebungen durchführende Fluggesellschaften bauen so viel Druck auf, dass alle Fluggesellschaften Abschiebungen verweigern. Stattdessen entstehen solidarische Transportunternehmen, die sich darauf spezialisieren, die legalen Spielräume für sichere Transportrouten – auch per Flugzeug – auszubauen.

Handel
Ein allgemeiner Rohstoffstreik – getragen zuerst von der Afrikanischen Union, dann auch von anderen Ländern des Südens – erwirkt ein globales demokratisches Abkommen. Dieses schreibt eine Kreislaufwirtschaft und fairen Rohstoffhandel fest.

Finanzen
Auf Druck des neuen Zusammenschlusses von Ländern des globalen Südens, China und Brasilien wird der Internationale Währungsfonds demokratisiert und eine internationale Ausgleichsunion mit einer tatsächlichen internationalen Währung, dem Bancor 2.0, eingeführt.

2030

Gesundheit und Teilhabe
Der Nahverkehr und öffentliche Gebäude sind in Deutschland zu 100% barrierefrei; Neubauwohnungen immerhin bereits zu 83%.

Handel
Vernetzungstreffen von 20.000 Initiativen aus der ganzen Welt in Porto Alegre, die die Prinzipien der solidarischen Landwirtschaft auf andere Bereiche und überregionalen Handel übertragen haben.

Energie und Klima
Die Hälfte der deutschen Kommunen haben ihre Energie- und Wasserversorgung rekommunalisiert.

Bildung
Feierlich werden neue Bildungspläne verabschiedet. „Schulen“, Leistungsdruck und der Numerus Clausus gehören ein für alle mal der Vergangenheit an.

2031

Wohnen
1000 europäische Städte vergeben neuen Raum ausschließlich nach Konzepten, nicht mehr nach dem Preis.

Energie und Klima
Der Internationale Strafgerichtshof beginnt Ökozide und andere Umweltverbrechen anzuklagen.

Mobilität
Urlaubssegelschiffe haben Kreuzfahrtschiffe in Europa als beliebteste Reiseform abgelöst.

2032

Ernährung und Landwirtschaft
Die europäische industrielle Massenfischerei wird auf Kleinfischerei in europäischen Gewässern umgestellt. Afrikanische Fischer*innen bekommen Unterstützung, um ihre lokale Fischerei wieder aufzubauen. Ein internationales Moratorium zur Überfischung wird verabschiedet.

Mobilität
Neukirchen in Nordhessen eröffnet den 1000. Dorfladen in Hessen. Die Dorfladeninitiative Hessen hat damit ihr Ausbauziel erreicht.

Mobilität
Die globalen Abrüstungsverhandlungen münden im Verbot der Herstellung automatischer Waffen.

2033

Energie und Klima
Zwei Drittel der Industrieländer berichten, dass sie ihr Ziel einer Senkung der Treibhausgasemissionen um 95% erreicht haben.

Bewegungsfreiheit
Eine EU-Gesetzesnovelle legalisiert alle Menschen, die sich auf deutschem Territorium aufhalten. Alle Lager werden abgeschafft, umfassende und gleichberechtigte Teilhabemöglichkeiten für alle – auch ohne Papiere – werden eingeführt.

2034

Mobilität
80% der europäischen Arbeitnehmer*innen kommen mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Ernährung und Landwirtschaft
Der Zukunftsrat empfiehlt, beim Auf- und Umbau von Kanalisation weltweit auf Trennung von Fäkalien und Urin zu setzen und menschliche Fäkalien auch für Kompost zu nutzen.

2035

Wohnen
Eine neue EU-Richtlinie überführt nach einem Referendum allen Grund und Boden in kommunales Eigentum. Beides kann nicht mehr privatisiert werden.

Demokratie
Nach zweijähriger Verhandlung verabschiedet der Verfassungskonvent eine neue Verfassung. Wichtigstes Ziel: Alle Menschen können an den Entscheidungen mitwirken, die ihr Leben betreffen.

2036

Arbeit
Die Weltbank beendet ihren Umstrukturierungsprozess. Mehr als 50% ihrer Stellen werden von Frauen besetzt, 80% von BIPoC.

2037

Arbeit
Die letzte private Rentenversicherung wird aufgelöst, da sie wegen des Grundauskommens hinfällig geworden ist. Die verbleibenden Gelder werden in den 2027 dafür eingerichteten Reparationsfonds »boomers for justice« übertragen, der Infrastruktur im globalen Süden aufbaut, die helfen soll, mit den Folgen der Klimakatastrophe umzugehen.

2038

Handel
Zwischen Bad Salzuflen und Teyateyaneng (Lesotho) entsteht die 250. Süd-Nord-Partnerkommune. Ziel der Kommunen ist der Austausch über sozial-ökologische Lebensweisen und -praktiken.

Mobilität
Der Duisburger Bahnhof wird zum schönsten Deutschlands gewählt. Er besticht unter anderem durch einen Wartebereich mit Musikzimmer, solarbetriebener Sauna und Bällebad aus nachwachsenden Rohstoffen.

2039

Arbeit
Europaweit sind bereits 50% der Betriebe mit 76% der Beschäftigten als Genossenschaften organisiert, Tendenz steigend.

2040

Wohnen
In Bad Godesberg wird das letzte Mietshaus vor dem Abriss gerettet und als »Museum für ungerechtes Wohnen« umgestaltet.

2041

Technik
90% der Weltbevölkerung besitzen ein ressorscenschonendes und energieffizientes mobiles Endgerät.

2042

Bewegungsfreiheit
Die Außengrenzen der EU werden für alle Menschen geöffnet, alle Einreisebeschränkungen werden fallen gelassen. Damit zieht die EU, was Bewegungsfreiheit angeht, mit der Afrikanischen Union gleich, die das bereits 2033 beschlossen hatte.

2043

Wirtschaft
Der Zusammenschluss der Kommunen des Commoning feiert, dass bereits 500 Gemeinden verschiedener Größe entschieden haben, komplett ohne Einkommen und ganz nach dem Prinzip Beitragen statt Tauschen zu wirtschaften.

2044

Technik
Die Kernfusionsforschung verkündet, dass die Technik voraussichtlich in 30 Jahren zur Verfügung steht.

2045

Umwelt
Ein neuer Bericht der Vereinten Nationen zeigt, dass aufgrund der Ausdehnung von nur sorgsam durch Anwohnende bewirtschafteten Wald- und Wildflächen die biologische Vielfalt weltweit in den letzten zehn Jahren wieder leicht zugenommen hat.

2046

Produktion
Weltweit werden 98,34% aller nicht nachwachsenden Rohstoffe recycelt. Ein globales Abkommen regelt die Stoffströme und entwickelt Auflagen zu deren Verarbeitung und Trennbarkeit.

2047

Arbeit
Mit dem Computerchiphersteller in Oberfranken hat tenden entschieden, sowohl die angenehmen und ermächtigenden Tätigkeiten als auch unbeliebte Arbeiten unter allen gerecht zu verteilen und dabei jetzt auch der letzte Betrieb mit über 100 Mitarbeit zu rotieren.

2048

Demokratie
Der Abbau von Ungleichheit und Diskriminierung hat dazu geführt, das seit 10 Jahren kein Krieg mehr auf der Welt geführt wird. Dies wird auf der ganzen Welt im August, dem »mês de alegria« (Monat der Freude) gefeiert.

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